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Jahrbuch der DKB STIFTUNG

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Wie geht das eigentlich,

Wie geht das eigentlich, sich eine eigene Meinung zu bilden? Libertas und Harro Schulze-Boysen auf Schloss & Gut Liebenberg – Lernort für historisch-politische Bildung Alle kennen Liebenberg, aber keiner die Geschichte dahinter“, sagt Gabi Ziminske, Lehrerin an der Libertasschule in Löwenberg, über die Beziehung ihrer Schüler*innen zum Geburtsort ihrer Schul-Namensgeberin. Nicht der einzige Grund, warum sie und ihre Kollegin Sabrina Zeller einmal im Jahr während der Schulauftaktwoche nach den großen Ferien mit ihren Schüler*innen Schloss & Gut Liebenberg besuchen. Dann machen sich gut 100 Jugendliche aus den Klassenstufen 7–10 „Bei der Enge des Lehrplans sind solche anderen Arten der Vermittlung sehr willkommen.“ Gabi Ziminske, Lehrerin an der Libertasschule in Löwenberg mit der Lebensgeschichte von Libertas Schulze-Boysen vertraut, die aufgrund ihres Widerstands gegen den Nationalsozialismus von diesem ermordet wurde. „Die Schüler*innen lernen, sich stärker mit ihrer Schule und deren Namenspatronin zu identifizieren“, glaubt Sabrina Zeller, „und sie verstehen, was der Vorname Libertas eigentlich bedeutet.“ „Die Schüler können Geschichte aus einem anderen Blickwinkel sehen und sind begeistert, dass sie mehr über das Thema wissen als andere Schüler.“ Sabrina Zeller, Lehrerin an der Libertasschule in Löwenberg Drei Tage Freiheit und Widerstand Aber es gibt noch vieles mehr zu erfahren: Wer war im Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv und wie haben Menschen sich gegen das Regime gewehrt? Was bedeutet zivilgesellschaftliches Engagement und Gerechtigkeit heute für mich? Und welche gesellschaftlichen Kräfte wirken auf uns ein? In Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Deutscher Widerstand hat die DKB STIFTUNG ein dreitägiges außerschulisches Seminar entwickelt, das in Liebenberg und Berlin stattfindet. Inhalt des Seminars ist die Auseinandersetzung mit dem von der Gestapo „Rote Kapelle“ genannten Widerstandsnetzwerk, zu dem auch Libertas und ihr Mann, Harro Schulze-Boysen, gehörten. Dabei entdecken die Schüler*innen lokale Bezüge zur Widerstandsgeschichte und stellen Verbindungen zu ihrer heutigen Lebenswelt her. Durch die Fokussierung auf die Biografien von Einzelpersonen wird die Vergangenheit für sie nah und verständlich. 24

In Gruppen- und Kreativarbeit setzen sich die Jugendlichen mit der Geschichte ihrer Region auseinander. NUR WENN ICH DAS VERGANGENE VERSTEHE, KANN ICH DIE GEGENWART BEGREIFEN UND GESTALTEN Das Seminar „Freundeskreise im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ Libertas und Harro Schulze- Boysen 1936 in Liebenberg. Zwei Stolpersteine vor den Stufen zum Hotel erinnern an ihr Leben und ihren Tod. ‣ Das Seminar zur historischpolitischen Bildung vermittelt zusammenhängendes Wissen über den Widerstand und setzt sich mit Haltungen und Gefühlen, mit Widersprüchen und Beweggründen auseinander. Dafür wird Schloss & Gut Liebenberg zu einem erlebbaren Geschichtsort. ‣ Mit dem außerschulischen Lernangebot macht die DKB STIFTUNG ein Angebot an die Region, ihr kulturelles Erbe für die Auseinandersetzung mit auch heute noch aktuellen Themen wie zum Beispiel Extremismus jeder Form zu nutzen. ‣ Die Arbeit in den Gruppen schult die Sozialkompetenz der Schüler*innen, die gestärkt aus den Projekttagen hervorgehen. ‣ Das Projekt gibt keine Meinung vor, sondern hilft den Jugendlichen dabei, sich eine eigene, fundierte Haltung zu bilden. Eine Kompetenz, die nicht nur bei der Einordnung der Vergangenheit hilft. DKB STIFTUNG · JAHRBUCH 2020 DIE POTENZIALE DES LÄNDLICHEN RAUMS SICHTBAR MACHEN 25