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Jahrbuch der DKB STIFTUNG

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Hier kommt Alex

Hier kommt Alex Kulturelle Teilhabe in Pandemiezeiten Das Museum ist leider zu“, konstatiert Dr. Thomas Steller, Leiter der Wirkungsfeldes Kulturelles Erbe der DKB STIFTUNG. Denn die Corona- Pandemie verhindert den Zugang zu den Kunstschätzen auf Schloss Liebenberg. „Das will ich ändern“, hat sich Thomas Steller in den Kopf gesetzt. Und für sein Vorhaben hat er gleich den größten der Liebenberger Kunstschätze ins Visier genommen: das gigantische Fliesenbild der Alexanderschlacht. Alexanders langer Weg durch die Jahrhunderte Was macht Alexander der Große in Liebenberg? Als Alexander III. im vierten Jahrhundert vor Christus die Griechen unter seiner Führung einte, wuchs an der Stelle des heutigen Liebenberg noch dichter Urwald. Alexander zog derweilen gegen die übermächtigen Perser. Seine Siege gegen den Perserkönig Dareios III. weiteten den Einfluss der griechischen Kultur bis nach Ägypten und Indien aus. Die orientalische Kultur mischte sich mit der griechischen – der Hellenismus entstand. Alexander wurde „der Große“ und Sinnbild des mutigen Helden und Anführers. Diese Legende stellten auch Kunstwerke seiner Zeit zur Schau: Der ältere und scheinbar mächtigere Dareios unterliegt dem jüngeren, kühneren Alexander. Die Kopie eines solchen Motivs gelangte im zweiten Jahrhundert vor Christus als Fußbodenmosaik ins römische Pompeji. Pompeji aber versank im Jahre 79 v. Chr. im Ascheregen des Vesuv und mit ihm das Mosaik – bis es 1831 wieder ausgegraben wurde. Begeistert von dessen Schönheit bestellte sich der Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. 1843 eine Kopie aus Fayencefliesen für seine Römischen Bäder. Eine zweite Kopie erwarb Karl von Hertefeld für das Liebenberger Herrenhaus. Das Liebenberger Bild ist also die 180 Jahre alte Kopie einer 2.000 Jahre alten Kopie, ein Kunstschatz von unschätzbarem Wert und überregionaler Bedeutung. Gigant im Dornröschenschlaf Dieses Kunstwerk wartet heute in der Sommergalerie von Liebenberg auf seine dringende Restaurierung. Die Zeit als Bodenschmuck hat ihre Fußabdrücke auf der 5,80 x 3,20 Meter 20

großen Alexanderschlacht hinterlassen. Ein Forschungsprojekt der Fachhochschule Potsdam untersuchte die Alexanderschlacht wissenschaftlich, und erste Fliesen wurden in diesem Zusammenhang restauriert. Mit der Alexanderschlacht kulturelle Teilhabe einem breiten Publikum ermöglichen Thomas Steller will sich mit der misslichen Situation zwischen Pandemie und Restaurierung nicht zufrieden geben: „Wenn die Leute nicht ins Museum gehen können, muss das Museum eben zu den Leuten kommen. Einem breiten und diversen Publikum kulturelle Teilhabe zu ermöglichen, bleibt auch in Pandemiezeiten eine zentrale Aufgabe.“ Ob mit digitalen oder analogen Hilfsmitteln, das stehe noch nicht fest. Aber das Format soll die geistige Auseinandersetzung mit den Botschaften des Kunstwerks fördern und ermöglichen. Welche das sind? „Alexander steht für das klassische Helden-Stereotyp: den Einzelkämpfer, der anzuführen und mit Kühnheit zu siegen lehrt“, erklärt Thomas Steller. „Aber wollen wir solche Helden heute noch? Erleben wir nicht gerade in diesen Zeiten ganz andere Formen von Alltags-Heldentum? Ich möchte ein Nachdenken darüber anregen, was heute einen Menschen ausmacht, der über sich hinauswächst.“ DKB STIFTUNG · JAHRBUCH 2020 DIE POTENZIALE DES LÄNDLICHEN RAUMS SICHTBAR MACHEN 21