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Jahrbuch der DKB STIFTUNG

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„Ich finde allgemein,

„Ich finde allgemein, dass man sich ein bisschen mehr ins öffentliche Leben einbringen kann, weil Zehdenick wirklich eine schöne Stadt sein könnte.“ Schüler Dylan über seine Teilnahme am Projekt sich wohlfühlen und wo nicht, und richten ihre Gewohnheiten daran aus. Die bewusste Wahrnehmung vorhandener oder auch fehlender Bauqualität und die Auseinandersetzung mit ihr müssen sie jedoch erst erlernen. Das Projekt „Die Stadtentdecker“ verknüpft genau diese Elemente: intuitive Wahrnehmung mit Architekturvermittlung und dem Partizipationsgedanken. Seit 2013 führt die Brandenburgische Architektenkammer das Projekt an immer wechselnden Orten durch – im vergangenen Jahr in Kooperation mit der DKB STIFTUNG in Zehdenick. Zum Projekt gehört auch ein Medientraining, das die Schüler*innen darin fit macht, ihre Ideen mit Hilfe von Technik auszudrücken. Objekt der jugendlichen Auseinandersetzung war das weitgehend leer stehende Feste Haus im Zehdenicker Ortsteil Badingen, ein ehemaliges Schloss mit einer bis ins 13. Jahrhundert zurückreichenden architektonischen Geschichte. Aufgabe der Schüler*innen war es, aus der Perspektive ihrer Lebensgewohnheiten und Wünsche Vorschläge für eine künftige Nutzung zu entwickeln. „Ich war wirklich bewegt, wie liebevoll und mit welcher Kompetenz und Achtsamkeit die Jugendlichen das Haus wahrgenommen haben. Nicht als Bruchbude, sondern wirklich wertschätzend“, erinnert sich Ulrike Eichentopf an die Projekttage. In vier Gruppen arbeiteten die Jugendlichen ihre Vorschläge in unterschiedlichen Gestaltungsformen (Architekturmodell, Collagen, Installation und Theater) aus. Höhepunkt war die Präsentation der Ergebnisse beim abschließenden „Stadtentdecker“-gespräch vor den politischen Entscheidern: dem Bürgermeister der Stadt Zehdenick Bert Kronenberg und Referatsleiter Frank Segebade vom Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung Brandenburg. Das Projekt trifft sich mit der politischen Agenda des Bürgermeisters, der Jugendbeteiligung für Zehdenick voranbringen will – mit Erfolg: „Ich finde allgemein, dass man sich ein bisschen mehr ins öffentliche Leben einbringen kann, weil Zehdenick wirklich eine schöne Stadt sein könnte“, befand auch Schüler Dylan im Anschluss an das Gespräch. 2. Baustein: die „Chancenland“-Projektwoche – vom Medienkonsumenten zum Medienmacher In der „Chancenland“-Projektwoche ging es um die visuelle Belebung der im Rahmen des „Stadtentdecker“-Projektes entwickelten Ideen in Form eines Stop-Motion-Films. Mit unzähligen Fotos von Architekturmodellen, Gegenständen und Schauspielern arrangierten die Projektgruppen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Festen Hauses Badingen. 18

Das Kooperationsprojekt mit dem Landesfachverband Medienbildung Brandenburg e. V. vermittelte ihnen dafür nicht nur die technische Medienkompetenz, sondern auch Erzählmethoden des Storytellings. Der Funken hat gezündet: „Das große Engagement in den Teams hat mich enorm beeindruckt, das gemeinsame Planen von Arbeitsschritten, das Aushandeln und sich Einigen auf Ideen, das Dranbleiben, auch wenn die Arbeit anstrengend war und an die Grenzen ging“, berichtet Ulrike Eichentopf. Oder wie Lana es ausdrückt: „Also ich bin allgemein im Leben ein kreativer Mensch, aber jetzt in dem Projekt konnte ich das richtig ausleben.“ 3. Baustein: Mixed-Media-Ausstellung „Landtastisch“ – Mitnehmen in die Zukunft Für 2021 ist die Veranstaltung „Landtastisch“ mit der öffentlichen Präsentation der „Chancenland“-Filme und Stadtentdecker-Ideen geplant. Mit ihr soll das Projekt zum Abschluss kommen und zugleich die Einwohner von Badingen und Zehdenick in die von den Jugendlichen entwickelte Zukunft mitnehmen. Wenn auch sicher nicht alle Ideen umgesetzt werden können, so hat das Projekt doch schon jetzt die Identifikation der Jugendlichen mit ihrem Heimatort verstärkt. Und sie wissen nun genau, dass ihnen zugehört wird, wenn sie ihre Vorschläge artikulieren und einbringen. Wie es weitergeht? – Willkommen im Chancenland! „Die Jugendbeteiligung wird für uns ein Thema bleiben, auch rund um das Feste Haus Badingen. Die Projektstruktur wird sich ändern, aber ,Chancenland‘ ist als längerfristiger Projektrahmen angelegt“, verspricht Ulrike Eichentopf. Und auch für die Lehrkräfte ist einiges geplant: Eine medienpädagogische Fachkräftefortbildung vermittelt ihnen die Kenntnisse, um die Schüler*innen adäquat zu begleiten. PROJEKT: LANDHALTIG WIRKEN Wirkungsziele: Gestaltung einer für Jugendliche attraktiven Zukunft im ländlichen Raum ‣ Strukturen der Jugendbeteiligung in der Kommune fördern ‣ Jugendlichen und Fachkräften Medienkompetenz vermitteln ‣ Nachhaltige Veränderung in realen Projekten bewirken Drei Bausteine: 1. Projektwoche „Die Stadtentdecker“ (Kooperation mit der Brandenburgischen Architektenkammer, gefördert durch das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung (MIL), in Kooperation mit dem Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM), unterstützt durch das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS)): ‣ Schüler*innen entwickeln und präsentieren Zukunftsideen für das Feste Haus Badingen ‣ Umsetzung: August 2020 2. Projektwoche „Chancenland“ (Kooperation mit lmb Landesfachverband Medienbildung Brandenburg e. V. und dessen Projekt „jumblr“ – Jugendmedienbildung im ländlichen Raum): ‣ Inszenierung der „Stadtentdecker“-Ideen als Stop-Motion-Filme ‣ Umsetzung: Oktober 2020 3. Mixed-Media-Ausstellung „Landtastisch“: ‣ Abschlussveranstaltung mit Film-Präsentation als Community-Erfahrung DKB STIFTUNG · JAHRBUCH 2020 DIE POTENZIALE DES LÄNDLICHEN RAUMS SICHTBAR MACHEN 19