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Jahrbuch der DKB STIFTUNG

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„Es gibt einen Bedarf

„Es gibt einen Bedarf nach unserer Expertise“ Corona betrifft uns alle, doch Menschen mit Behinderung und Inklusionsunternehmen stellt das Virus vor besondere Herausforderungen. Wie erleben Menschen mit Behinderung die aktuelle Situation? Als Stiftung mit einem Schwerpunkt auf Inklusion erleben wir hautnah, wie unterschiedlich die Auswirkungen sind. Oliver Kahn, Vorstand der DKB STIFTUNG, über ein Thema, das oftmals aus dem Raster fällt. Was bedeutet dieses Corona-Jahr speziell für Menschen mit Behinderung und für die Inklusionsunternehmen in Deutschland? Oliver Kahn: Viele Menschen mit Behinderung erleben bereits in ihrem Alltag oftmals Einschränkungen. Sie sind von den Auswirkungen des Pandemiegeschehens in starkem Maße betroffen. Für gehörlose Personen beispielsweise ist das Lippenlesen essenziell, um mit anderen zu kommunizieren – die Maskenpflicht ist deshalb ein Problem. Oft gehören Menschen mit Behinderung auch zu den besonders zu schützenden Risikogruppen, sie arbeiten seit Beginn des Infektionsgeschehens entweder von zu Hause aus oder sind von der Arbeit freigestellt. Das bedeutet vor allem ein Stück weit die Aufgabe ihrer Autonomie, sie können nicht mehr zur Arbeit gehen, und ihre Kollegen treffen sie nur noch online. Menschen mit Behinde- COVID-19 – BEHINDERUNG – ARBEITSMARKT rung sind deshalb auch stärker von Isolation betroffen. In unserem Inklusionsunternehmen beschäftigen wir über 40 Prozent Mitarbeitende mit einer Schwerbehinderung. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Arbeitsmarkt sind für Menschen mit Behinderung besonders gravierend: Im Oktober 2020 liegt die Anzahl der arbeitslosen Menschen mit Schwerbehinderung in Deutschland um rund 13 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Damit sind derzeit 173.709 Menschen mit Behinderung ohne Arbeit – der höchste Wert seit 2016 (Inklusionsbarometer Arbeit der Aktion Mensch und des Handelsblatt Research Institutes). 12

Die Folgen von Covid19 haben wir dadurch von besonderer Seite gespürt. Viele unserer Mitarbeiter*innen sind gehörlos oder höreingeschränkt. Hier müssen wir beispielsweise mitbedenken, dass das Lächeln hinter der Maske für die gehörlosen Mitarbeitenden nicht erkennbar ist. Die Herausforderung, Emotionen zu lesen, ist für gehörlose Mitarbeitende noch einmal viel schwieriger. In Liebenberg sitzt das Inklusionsunternehmen der DKB STIFTUNG, die Auswirkungen, die Covid-19 auf Behinderung hat, haben auch Sie dadurch dieses Jahr deutlich gespürt. Wie sind Sie damit umgegangen? Was für die meisten Menschen zutrifft, trifft insbesondere für Menschen mit Behinderung zu: Arbeit ermöglicht Eigenständigkeit, Arbeit fördert die eigenen Talente. Und Arbeit bietet soziale Kontakte und ein stabiles Umfeld. Als Arbeitgeber steht für mich die Gesundheit der Mitarbeitenden im Mittelpunkt. Durch die Freistellung der Mitarbeitenden aus den Risikogruppen haben wir auch die Führungskräfte entlastet, da die Sorge um die Gesundheit der Mitarbeiter*innen ein ständiger Begleiter war und ist. Wir haben unsere Raumorganisation angepasst und aus Mehrpersonen- Einzelbüros gemacht. Gegen die Isolation im mobilen Arbeiten haben wir verstärkt auf interne Kommunikation und neue Austauschformate gesetzt. Wir haben ein Sorgentelefon eingerichtet, bei dem Mitarbeitende anonym über ihre Sorgen sprechen konnten. Und wir haben mit den Mitarbeitenden individuelle Lösungen gefunden, so dass Arbeit und Privatleben miteinander in Einklang standen. „ Was für die meisten Menschen zutrifft, trifft insbesondere für Menschen mit Behinderung zu: Arbeit ermöglicht Eigenständigkeit, Arbeit fördert die eigenen Talente.“ Oliver Kahn über die Bedeutung von Inklusion Was ist überhaupt ein Inklusionsunternehmen? Und warum engagiert sich die DKB STIFTUNG besonders stark für Inklusion? Inklusionsunternehmen sind Wirtschaftsunternehmen, die sich auf dem freien Markt behaupten müssen. Vielfalt wird hier als Gewinn gesehen. Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten gleichberechtigt zusammen und werden gleich bezahlt, unabhängig davon, ob sie eine Behinderung haben oder nicht. Menschen mit Behinderung bringen Kompetenzen, Wissen und Fähigkeiten in ein Unternehmen ein, sie sind ausgebildet und motiviert, sie wollen teilhaben und Leistung zeigen. Wir nehmen uns selbst etwas, wenn wir auf Menschen mit Behinderung in unseren Unternehmen verzichten. Aus diesem Grund betreiben wir seit zehn Jahren ein Inklusionsunternehmen und engagieren uns auch darüber hinaus – in unseren Tochtergesellschaften und in unseren Projekten – für eine inklusive Gesellschaft. DKB STIFTUNG · JAHRBUCH 2020 FOKUS AUF INKLUSION UND TEILHABE 13